RevZ

2012 - 2014 | Lienz | Osttirol

Bauaufgabe:
Auftrag:
Status:
Leistung:

Um- und Zubau Bürogebäude
Direktauftrag - fertiggestellt 04.2014
realisiert
Architekturplanung | Bauleitung

Architektur:
Mitarbeit:
Bauleitung:
Bild:

Stefan Thalmann
Er.bauen I D.I. Tagger I R. Grünberger
Stefan Thalmann
Wolgang C. Retter - Lienz

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Damals. Im Jahr 2004 errichtete der Bauherr Klaus Michor ein Bürogebäude für seine Firma in  Nußdorf-Debant in Osttirol. Das Gebäude wurde am nördlichen Dorfrand in steiler Hanglage platziert, eingebettet zwischen Einfamilienhäusern und landwirtschaftlichen Nutzbauten.Der Betrieb umfasste 10 Mitarbeiter, der Neubau wurde für 16 Personen errichtet.

2012 war der Mitarbeiterstand bereits auf über 30 Personen angewachsen und ein zusätzliches Büro in Lienz musste angemietet werden. Es folgte nach einer langen Konzeptphase der Entschluss zur Erweiterung des bestehenden Standortes.

Weiterdenken. Das "Althaus" ist ein aufgefächerter, in den Hang integrierter Mischbau, welcher terrassenförmig im Gelände liegt und so jeder Ebene einen Garten bietet. Um eine ev. Umnutzung in Wohnungen zu ermöglichen, wurde eine dezentrale Erschließung über ein Treppenhaus an der Ostseite errichtet.

Entwurfsbestimmend. Großes Anliegen des Bauherrn, der selbst ein Planungsbüro betreibt, waren naturgemäß der möglichst schonende Umgang mit der Grundfläche, sowie ein entsprechend für seine Profession repräsentatives Gebäude an den Bestand anzubauen.

Der Zubau sollte Stabilität ausdrücken und sich im Gleichgewicht mit dem dynamischen Bestandsbau finden.

Eine weitere Vorgabe war die Wahl der Baumaterialien, welche in Abstimmung auf den Bestand und die behördlichen Vorgaben des Brandschutzes möglichst ökologisch erfolgen sollten.

Funktionieren. Nach der genauen Analyse des Raumbedarfes zeigte sich schnell, dass der Zubau größer als der Bestand ausfallen würde. Außerdem musste eine Verdoppelung der Parkflächen geschaffen werden und eine neue Heizzentrale samt Brennstofflager erweiterte die Aufgabenstellung zusätzlich.

Anders Weiterdenken. Das dezentrale Stiegenhaus zeigte sich sehr bald als entwurfsbestimmender Parameter, möglichst schonend, aber doch "großzügig" zu erweitern. Dem bestehenden ost-west orientierten Riegel wurde ostseitig ein Kopfbau angefügt.

Dieser wurde nord-süd orientiert und als schmaler, hoher Baukörper geplant. Die Lage des Neubaus richtet sich nach der inneren Organisation und den Anbindungserfordernissen am Gelände, was auch einen neuen Hauptzugang und eine Umkehrung der bestehenden Erschließungsrichtung zur Folge hatte. 

Organisation. Durch die Hanglage und die bestehende Zufahrt auf das Grundstück wurde es notwendig, die innere Erschließung umzukehren, und den neuen Zugang im 2.Obergeschoß, vom neuen Parkplatz aus zu errichten. Daraus resultierte, dass in den bestehenden Betrieb ein- bzw. abgetaucht wird. Der neue Besprechungsbereich, der auch als Seminarraum genutzt wird, sitzt über den Arbeitsbereichen, schwebt als Kopf über dem Körper und lässt Platz zum Denken und Entwickeln.

Volumen. Gelände. Außen. Der fünfgeschossige Zubau wurde im obersten Geschoß hangseitig zurückgeschoben, was einerseits die südliche Höhe staffelt, und andererseits einen großzügigen, überdachten Eingangsbereich bildet, der durch einen Fahrradraum zum Hang hin abgeschlossen wird. In Kombination mit den teilweise händisch geschlichteten Hangmauern aus Granitsteinen, wird der Baukörper mit dem Gelände verbunden und in seiner Höhe gegliedert.

Material. Gleichgewicht. Natur. Die Frage, mit welchem Material ein Gleichgewicht zum bestehenden Altbau herzustellen wäre, begleitete uns von Anfang an. Die bereits schön verwitterte Bestandsfassade aus Lärchenholz, der Wunsch des Bauherrn nach einem Naturprodukt, und die Vorgaben des Brandschutzes führten in Richtung Stein. Die Struktur und die Farbe in Kombination mit Lärchenholz und die Möglichkeit, alles unbehandelt einzubauen, brachte uns schließlich auf ein altes, in unserer Region früher für Kirchendächer verwendetes Material - die Schieferschindel.

Weicher Stein. Eine Steinschindel als Fassade, ein altes Material, als Verbindung zwischen Neubau und Bestand, als langlebiger Übergang, lebendig und freundlich. Warm. Mit der Verwendung der Schieferschindel ist eine logische Verbindung der Baukörper entstanden, welche eine selbstverständliche Erweiterung des Bestandes, aber auch einen eigenständigen Zubau repräsentiert. Ergänzt wird der Schiefer durch  edelstahlumrahmte Fensterleibungen aus Lärchenholz und durch Cortenstahlgeländer und Natursteinmauern im Außenbereich.

Gute Atmosphäre - ist eine Aussage, auf welche die Bauherrn wert legen, sowohl zwischenmenschlich bei ihren Mitarbeitern, wie auch räumlich im Betrieb. Keine Verkleidungen, einfache, echte Geschichten sind das Thema, und so wurde die Materialwahl im Innenbereich genauso einfach und direkt fortgesetzt, wie sie Außen begonnen wurde. Sichtbeton, Lärchenholz, Glas und Eichenparkett bestimmen die Oberflächen im Inneren. Und ein wenig Zirbe für den Duft.


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